Mit 38,3 Prozent der abgegebenen Zweitstimmen und 36 von 88 Landtagsmandaten gewinnt die SPD Brandenburg die Landtagswahlen am 14. Oktober 1990. 30 der 36 SPD-Sitze im Landtag gewinnt die Partei direkt. Damit ist Brandenburg in Ostdeutschland ein Sonderfall, denn in den anderen neuen Ländern liegt überall die CDU vorn. Der Wahlkampf setzt auf die Person Stolpe und auf die neu entstehende Brandenburg-Identität. Das Land Brandenburg existiert seit dem 3. Oktober, es ist also gerade 11 Tage alt. Der SPD-Aufkleber „Wir Brandenburger“ ist an vielen Autos, Taschen und Straßenlaternen zu sehen. Manfred Stolpe ist der geborene Wahlkämpfer, der auf die Menschen zugeht und Vertrauen ausstrahlt. Das beste Ergebnis bei den Erststimmen erzielt Günter Neumeister in Nauen mit 48,9 Prozent, das beste Ergebnis der SPD im Süden Brandenburgs erreicht Manfred Stolpe mit 34,9 Prozent in seinem Wahlkreis in Cottbus.

Die SPD-Landtagsfraktion wählt auf ihrer ersten Sitzung den Uckermärker Wolfgang Birthler aus Angermünde zu ihrem Vorsitzenden. Gustav Just von der SPD in Bernau eröffnet als Alterspräsident die konstituierende Landtagssitzung am 26. Oktober und die Abgeordneten wählen den Potsdamer Herbert Knoblich (SPD) zum ersten Landtagspräsidenten.

Die SPD muss entscheiden, ob sie eine große Koalition mit der CDU eingehen oder eine Ampelkoalition mit Bündnis 90 und der FDP bilden will. Der Landesparteitag am 21. September in Frankfurt (Oder) macht den Weg frei für Koalitionsverhandlungen mit den beiden kleineren Parteien.  Am 1. November wählt der Landtag Manfred Stolpe zum Ministerpräsidenten und am 22. November werden die Ministerinnen und Minister vereidigt. Die FDP schickt zwei Westimporte in die Regierung, Walter Hirche für Wirtschaft und Hinrich Enderlein für Wissenschaft und Kultur. Mit Marianne Birthler für Bildung und Matthias Platzeck für Umwelt sind zwei exponierte Vertreter der Bürgerbewegung für Bündnis 90 am Kabinettstisch. Regine Hildebrandt übernimmt für die SPD das Arbeits- und Sozialressort. Sie wird mit dieser Aufgabe viel Furore machen. Alwin Ziel wird Innenminister, Edwin Zimmermann zuständig für die Landwirtschaft, Jochen Wolf für Wohnen und Verkehr. Klaus-Dieter Kühbacher aus Braunschweig wird Finanzminister und mit Hans-Otto Bräutigam holt Manfred Stolpe den deutschen UN-Botschafter als Parteilosen für die Bereiche Justiz, Bundesangelegenheiten und Europa in sein Kabinett.

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Bild: Paul Glaser