Pfarrer Joachim Kähler stellt seine Räume zur Verfügung, da die Initiatoren keinen sicheren und geeigneten nichtkirchlichen Ort finden. Sie gehen davon aus, dass die Versammlung von den DDR-Sicherheitsbehörden verhindert oder aufgelöst wird, wenn sie davon erfahren. Deshalb findet die Gründung in einem konspirativen Rahmen statt. Am 26. August hatten Markus Meckel, Martin Gutzeit, Arndt Noack und Ibrahim Böhme in Berlin einen Aufruf zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei in der DDR unterschrieben und veröffentlicht. Konrad Elmer leitet die Versammlung, Aram Radomski, später sehr bekannt durch seine Filmaufnahmen von den Montagsdemonstrationen in Leipzig, filmt Ausschnitte der Versammlung.

Markus Meckel hält eine programmatische Rede, in der es am Anfang heißt: „Vorausgesetzt, wir einigen uns, so gründen wir heute die Sozialdemokratische Partei in der DDR. Wir wollen damit ein Hoffnungszeichen setzen in der Unruhe und Spannung dieser Tage und Wochen. Es soll ein Zeichen sein des beginnenden Endes einer entmündigenden Herrschaft und des notwendigen Anfangs einer wirklich demokratischen Republik.“

Nach seiner Rede unterschreiben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gründungsurkunde in mehreren Exemplaren und wählen einen Vorstand.

Erster Sprecher wird Stephan Hilsberg, zweite/r Sprecher/in Angelika Barbe und Markus Meckel, Geschäftsführer Ibrahim Böhme. Als Beisitzer werden unter anderen Martin Gutzeit und Steffen Reiche gewählt.

Parallel finden in Ost-Berlin Veranstaltungen zum 40. Jahrestag der DDR-Gründung statt. Bei einem Treffen mit dem SED-Politbüro sagt Michail Gorbatschow den zum geflügelten Wort gewordenen Satz: „Wenn wir zurückbleiben, bestraft uns das Leben sofort.“ Aber Erich Honecker bleibt stur. Am 23. Oktober stellt Steffen Reiche im Rahmen einer eigentlich privaten Reise zu Verwandten im Westen die SDP im Präsidium der SPD in Bonn vor. Dort wird beschlossen, die SDP in der DDR als offiziellen und bevorzugten Partner der SPD anzuerkennen.

In der Folgezeit gründen sich überall in der DDR SDP-Ortsgruppen, so der Ortsverband Potsdam am 8. November in den Räumen der Erlöserkirche in Potsdam-West.

 

Bild: SPD Brandenburg