Am 26./27. Mai 1990 gründet sich der SPD-Landesverband Brandenburg in den Räumen der ehemaligen SED-Parteihochschule in Kleinmachnow.

Dieser Gründungsakt baut auf den bereits bestehenden SPD-Verbänden in den DDR-Bezirken auf: Britta Schellin, später Britta Stark, war seit dem 3. Februar erste Vorsitzende des SPD-Bezirksverbandes Frankfurt (Oder). Der SPD-Bezirksverband Potsdam hatte den späteren Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, Jochen Wolf, am 10. Februar zum Vorsitzenden gewählt. Und im Bezirk Cottbus hatte sich die SPD am 31. März mit dem späteren Landwirtschaftsminister Edwin Zimmermann als Vorsitzendem gegründet. Auch Perleberg (aus dem DDR-Bezirk Schwerin), Prenzlau und Templin (Bezirk Neubrandenburg) gehören nun zum Landesverband und ab dem 3. Oktober zum neuen Land Brandenburg.

Sechs Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich am 26. Mai um den Vorsitz der SPD Brandenburg: Lothar Friedrich, Birke Kleemann, Siegfried von Rabenau, Steffen Reiche, Manfred Schulz und Jochen Wolf. Im dritten Wahlgang wählen die 91 Delegierten den 30-jährigen Steffen Reiche mit 57 Stimmen zum ersten Vorsitzenden. Steffen Reiche ist der bekannteste Kandidat. Den Ausschlag für diesen Wahlausgang gibt aber seine Ankündigung, selbst nicht für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren zu wollen, sondern zu einem späteren Zeitpunkt einen geeigneten Vorschlag für dieses Amt zu unterbreiten.

Zu Stellvertretern werden Siegfried von Rabenau, Manfred Schulz und Edwin Zimmermann gewählt. An der Besetzung merkt man: Eine Quotenregelung gibt es 1990 in der SPD Brandenburg noch nicht.

Der SPD-Landesvorstand verständigt sich im Juni auf Vorschlag von Steffen Reiche, Manfred Stolpe nach seiner Bereitschaft zu fragen, für die SPD für das Amt des Ministerpräsidenten in Brandenburg zu kandidieren. Steffen Reiche und Siegfried von Rabenau führen das Gespräch mit Manfred Stolpe. Am 9. Juli schickt Manfred Stolpe eine Postkarte an die SPD-Geschäftsstelle in Potsdam, mit der er seinen Beitritt zur SPD erklärt. Auf die Rückseite der Postkarte klebt er eine Karikatur aus dem Eulenspiegel, auf der ein Mann blind durch eine Brille mit D-Mark-Stücken auf Schlaglöcher wie Arbeitslosigkeit und Pleiten zu rennt. Auf einem Landesparteitag in Cottbus am 1. und 2. September wird Manfred Stolpe mit 127 von 129 Stimmen zum Spitzenkandidaten der SPD für die Landtagswahlen am 14. Oktober gewählt.

 

Vorderseite der Postkarte, die Manfred Stolpe an die SPD schickte

Rückseite der Postkarte, die Manfred Stolpe an die SPD schickte

 

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Bilder: SPD Brandenburg