Am 22. Juni 2002 kündigt Manfred Stolpe auf dem SPD-Landesparteitag in Wittenberge seinen Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten an und schlägt Matthias Platzeck als seinen Nachfolger vor: „Es muss ein Generationenwechsel in der brandenburgischen Sozialdemokratie stattfinden; das Amt des Landesvorsitzenden und des Ministerpräsidenten gehören in eine Hand. Darum bitte ich Euch: Unterstützt die Wahl von Matthias Platzeck zum Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg in der kommenden Woche.“

Matthias Platzeck antwortet: „Manfred Stolpe hat uns eben erklärt, dass er den richtigen Zeitpunkt für die Staffelübergabe gekommen sieht. Das ist eine tiefe Zäsur für unser Land und für unsere Partei. […] Noch in der letzten Woche habe ich in einer Zeitung gelesen, dass auf den Fluren des Landtags gemunkelt werde: ‚Stolpe wird noch ewig in der Staatskanzlei bleiben.‘ Manfred Stolpe hat das sicherlich auch gelesen. Ich glaube, er hat sich im Stillen sehr darüber amüsiert.“

Natürlich haben die beiden Politiker den Wechsel schon in den Wochen zuvor besprochen. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder weiß Bescheid. Diese Minuten beim SPD-Parteitag in Wittenberge sind bewegend für alle Anwesenden.

Platzeck sagt weiter: „Für viele Menschen in Brandenburg ist unser Land ohne Manfred Stolpe nicht vorstellbar. Ja, man kann sogar sagen: Für noch mehr Menschen außerhalb der Grenzen unseres Bundeslandes ist Manfred Stolpe das Land Brandenburg. Manfred Stolpe ist der Gründervater unseres Landes Brandenburg in der Neuzeit. Er hat aber nicht nur die Entwicklung Brandenburgs seit der Wiedergründung entscheidend geprägt, Manfred Stolpe hat diesem Land und seinen Menschen auch Identität gegeben. Er hat diesem Land gemeinsam mit Regine Hildebrandt Gewicht und Stimme verliehen. Noch viel mehr, er hat den Menschen nach der Wende neues Selbstbewusstsein gegeben und das Vermögen, selbstbewusst mit ihrer Biografie in die neue Zeit zu gehen.“

Am 26. Juni 2002 wird Matthias Platzeck vom Landtag Brandenburg zum Ministerpräsidenten gewählt. Er ermahnt die Abgeordneten: „Die vor uns liegenden Zeiten werden weiterhin hart sein, die vor uns liegenden Wege steinig. Ich hoffe, dass ich denjenigen, die mir ihre Stimme heute nicht geben konnten, beweisen kann, dass es mir vor allem um eines geht, um das Wohl dieses Landes Brandenburg, und dass ich dafür bereit bin, alles einzusetzen, was ich vermag. Nachfolger von Manfred Stolpe zu sein ist eine große Herausforderung. Ich werde mich bemühen, ihr gerecht zu werden.“

 

Bild: Paul Glaser